User:Svenmarie/Ohne sterne

From Travelling School of Life

Jump to: navigation, search

ohne sterne

– die Nacht ist grau, und die Katzen schreien –

Vielleicht läuft eine von euch durch die Straßen, innerlich brennend, mit Einbruchwerkzeug und Tränen und Wut. Vielleicht will sie die Verbrechen beenden und Leben retten. Morde verhindern.
vielleicht.

Wir können nicht hoffen.
Unsere Augen sind staubig und hohl. Wir haben nie den Mond gesehen. Für uns gibt es keine Sterne, und unser Himmel ist nie blau oder wolkig. Er ist eine dumpfe Betondecke. Unser Horizont ist Gitterstäbe, Gefängniszellen, Folter, Mord.
Mord.

Wir sind Millionen und Milliarden, mehr als Sterne im All.
Aber wir werden nicht sterben wie sie. Wir werden ermordet.
Wir sind Millionen und Milliarden, und wir sind alle allein. Wir sind zu müde, euch zu hassen, zu müde zum schreien.
Ihr habt uns unsere Leben genommen ohne mit den Schultern zu zucken.

Ihr mordet täglich, stündlich. ohne zu denken.
In Labors, in Farmen, in Zoos, in Geschäften, bei euch zu Hause in Käfigen, Aquarien und Kühlschränken. Ihr macht uns zu Essen, zu Forschungsmaterial, zu Spielzeug, zu Produkten. Zu Sachen.
Wenn ihr uns braucht, nehmt ihr unsere Leben aus dem Regal. Sobald ihr uns nicht braucht, werft ihr unsere Leichen auf den Müll.
Leben zählt nicht, nur Funktion.
Ihr mordet täglich, stündlich. ohne zu fühlen.

Vielleicht erkennt einer von euch die grenzenlosen Verbrechen und weint. Er muss sein Gesicht verstecken, wenn er Morde verhindern will. Vielleicht läuft er durch die Straßen und kämpft und ist allein.
Warum sind es nicht Hunderttausende?
Wie könnt ihr in Ruhe leben, wie könnt ihr schlafen mit dieser Schuld?

Warum schlaft ihr?

Personal tools